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Hermann Baum

Hermann Baum wurde am 25.12.1864 in Plauen als Sohn des Spediteurs Hermann Baum geboren. Nach Besuch des dortigen Gymnasiums studierte er an der Tierarzneischule zu Dresden Veterinärmedizin. Schon als Student zeigte er ein besonderes Interesse für die Anatomie. Dies blieb dem Anatomen Wilhelm Ellenberger nicht verborgen und schon bald befasste sich Hermann Baum in dessen Institut mit ersten morphologischen Forschungen an der Leberzelle. Nach Abschluss seines Studiums und erlangter Approbation trat er am 1. Januar 1888 in das von Ellenberger geleitete Institut ein, das die Fächer Anatomie und Physiologie vertrat. Unmittelbar nach seiner Promotion im Jahre 1889 in Erlangen widmete er sich auf Einladung von Ellenberger gemeinsam mit diesem dem Projekt einer "Anatomie des Hundes". Das 600 Seiten starke Buch erschien schon zwei Jahre später. 1891 wurde Hermann Baum zum Prosektor ernannt. 1897 wurde er außerordentlicher Professor und ein Jahr später erfolgte seine Berufung zum Ordinarius für Anatomie und Physiologie an die Dresdener Ausbildungsstätte, die seit 1889 zur Königlichen Tierärztlichen Hochschule erhoben worden war. Mit dem Beginn des Wintersemesters 1898/99 trat Ellenberger die anatomische Professur und die Leitung des Anatomischen Instituts an Baum ab.


Der Jahrzehnte währenden gemeinsamen Arbeit von Wilhelm Ellenberger und Hermann Baum verdankt die Veterinäranatomie einige ihrer bedeutendsten Werke. In der gemeinsamen Arbeit am "Handbuch der vergleichenden Anatomie der Haustiere" wuchs zwischen beiden ein einzigartiges kollegiales und freundschaftliches Verhältnis. Das Werk wurde in der 9. bis 17. Auflage von Ellenberger und Baum gemeinsam herausgegeben. Seit 1911 widmete sich Hermann Baum intensiv der Erforschung des Lymphgefäßsystems. Allein diesem Gegensastand sind 53 Zeitschriftenbeiträge und 5 Monographien gewidmet. Durch diese später u.a. von Hugo Grau fortgesetzten Arbeiten wurde das Leipziger Veterinär-Anatomische Institut als ein Zentrum tiermedizinischer Lymphgefäßforschung weltweit bekannt. Besonders hervorzuheben sind, neben einer Reihe weiterer Werke, die "Topographische Anatomie des Pferdes" und das "Handbuch der Anatomie für Künstler" die durch Baum ihr besonderes Gepräge erhalten haben.


Nach dem Umzug der Tiermedizin von Dresden an die sächsische Landesuniversität nach Leipzig im Jahre 1923 setzte Baum das Werk seines Lehrers und Freundes Ellenberger auch auf hochschulpolitischem Gebiet fort. Die maßgeblich von Ellenberger initiierte Übersiedlung nach Leipzig erfuhr ihre organisatorische Umsetzung in erster Linie durch Baum. Als erster Dekan der Leipziger Veterinärmedizinischen Fakultät äußerte er auf dem Festakt in der Aula der Universität die Hoffnung, dass diese Fakultät als jüngstes Kind der Alma mater als aufgepflanzter Reis mit dem Mutterbaum der Universität bald eins werden möge. Diese Hoffnung fand ihren bildlichen Ausdruck im Siegel der Fakultät, welches diese als jüngstes Kind auf dem mütterlichen Arm der Universität zeigt. Hohe Anerkennung fand Baums hochschulpolitisches Wirken durch seine Wahl zum Rektor der Universität Leipzig am 1. November 1931. Bis heute ist Baum der einzige Tiermediziner der dieses Amt bekleidet hat. Die Rektoratszeit war nach Baums eigenen Worten eine seiner schwersten Lebensphasen. Sie stand unter dem Zeichen erheblicher politischer Spannungen und Unruhen und sie war zusätzlich durch die schwere Erkrankung Baums überschattet, der er am 13. März 1932 erlag. Die Universität Leipzig nahm am 16. März 1932 in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von Geheimrat Prof. Dr. phil. Dr. med. h.c. Hermann Baum.


Das Andenken an seinen ersten Direktor Hermann Baum wird im Leipziger Veterinär-Anatomischen Institut in Ehren gehalten. Der Ausbildung der Studierenden an Präparaten, sowohl im Präpariersaal, als auch in der anatomischen Sammlung maß Baum entscheidende Bedeutung zu. Die unter seiner Leitung entstandene anatomische Lehrsammlung war nach Baums Verständnis integraler Bestandteil des Lehrangebots an die Studierenden. Viele Präparate, speziell solche zum Lymphsystem stammten direkt aus seiner Hand. Der Zerstörung des Instituts durch einen Luftangriff am 4. Dezember 1943 fiel auch die anatomische Sammlung zum Opfer. Einige der quecksilberinjizierten Präparate Baums konnten gerettet und in die nach seinen Ideen nach dem Kriege wieder aufgebaute Sammlung integriert werden.


Mit der deutschen Wiedervereinigung ist ein direkter Kontakt zu Nachfahren Hermann Baums, die in Hamburg leben, möglich geworden. Herr Dr. Jürgen Gündisch hat im Andenken an seinen Großvater die Arbeit von Doktoranden auf dem Gebiet der Anatomie durch mehrere Geldspenden unterstützt.


Franz-V. Salomon